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Fasching


Jedes Jahr im Februar wurde Fasching gefeiert. In Mardisch gab es zwei Nachbarschaften.
Früher hat jede Nachbarschaft für sich alleine gefeiert. Aber später in den 70. Jahren, als
die Zahl der Einwohner kleiner wurde, so haben sich die zwei Nachbarschaften zusammen-
geschlossen, und in der ehemaligen Schule gefeiert. Diese wurde zu einem Saal umgebaut.
Zwei Tage im voraus wurde gebacken und gekocht, es roch im ganzen Dorf nach Sauerkraut,
welches das traditionelle Faschingsessen war. Die Mardischer waren ein sehr lustiges Volk.
Wenn die Nachbarmutter den Nachbarzeichen abschickte, der von Haus zu Haus weiter-
getragen wurde, mußte man schon über den Text der Einladung lachen. Darauf konnte man
z.B. lesen:

Wachet auf ihr lieben Frauen
und laßt Euch auf der Fasching schauen!
Zieht Euch an nach altem Brauch
mit einer Schürze vor dem Bauch.

Kommt und laßt den Spiegel stehen
Ihr habt genug hinein gesehen.
Bringt auch Eure Männer mit
dann tanzen wir im Walzerschritt.

Aber bitte gebt gut Acht,
wem Ihr schöne Augen macht.
Laßt Euch bloß nicht gleich vernaschen,
sonst wird Euch der Kopf gewaschen.

Haltet Euch fern von meinem Mann
denn der geht nur mich was an.
Also: Vorsicht ist geboten,
sonst bekommt Ihr schlechte Noten.

Fasching in Mardisch

Fasching in Mardisch (in den 60er Jahren)

Der Faschingsball dauerte zwei Tage. Wenn die Musik eintraf am Abend spielte sie drei
Ständchen vor dem Haus des Nachbarvaters. Dann wußte jeder, daß er sich beeilen mußte
um rechtzeitig auf der Tanzfläche zu erscheinen. In Festtagstracht und gut gelaunt wurde
getanzt bis zwei Uhr Nachts. Dann gingen alle heim schlafen und am anderen Morgen
versammelten sich wieder jung und alt pünktlich um die angesagte Zeit im Saal. Es gab
aber jedes Jahr einige Schlafmützen, die dann ohne Erbarmen aus ihren Federn geholt
wurden. In Schlafanzug oder Nachthemd wurden sie dann in Decken eingehüllt und auf
einer Leiter oder mit dem Schlitten zur Tanzfläche geführt. Daß gab immer ein großes
Gelächter. Zur Strafe mußten die Betroffenen eine Flasche Schnaps spendieren. Am
Nachmittag marschiert man maskiert durchs Dorf, begleitet von der Musik.
Abends wurde ein Lustspiel aufgeführt, wobei man sich köstlich amüsierte.

Die Unterhaltung und Tanz dauerte die ganze Nacht. Einige Abende danach, gab es
wieder ein Beisammensein, mit Speis' und Trank jedoch ohne Musik aber gute Laune.
Es wurde ein Witz nach dem anderen erzählt, es war sehr lustig. Dies war der
Faschingsschluß, oder wurde auch noch "Schwänzchen" genannt.
 

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» Substance: pragmaMx » Style: Ahren Ahimsa